Alfred Liegl anlässlich seines Geburtstages gedankt

Treffelstein, den 21.12.2020

Alfred Liegl aus Treffelstein ist jeden Tag am Silbersee in einer besonderen Mission unterwegs: Er ist Treffelsteins „Biber-Beauftragter“. Und als solcher weiß er ganz genau, wie fleißig diese Tiere sind.
„Da hat er einen Baum angenagt und dahinten hat er einen Damm gebaut“, sagt Liegl und deutet in Richtung Triebwerkskanal. Dem Treffelsteiner entgeht nichts. Seine Beobachtungen teilt er dann Bürgermeister Helmut Heumann mit. Das Treffelsteiner Gemeindeoberhaupt ist froh, dass ihn Alfred Liegl in Sachen Biber immer auf dem Laufenden hält. „Das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Zumal Liegl vor kurzem 90 geworden ist.
Ein gebürtiger Münchner
Geboren wurde Liegl am 3. Dezember 1930 in München. 1943 kam er, bedingt durch die Kriegsereignisse, als 13-Jähriger nach Treffelstein, wo er bei seinem Onkel und seiner Tante lebte. In Treffelstein besuchte Liegl noch zwei Jahre die Volksschule und erlernte dann bei seinem Onkel das Schneiderhandwerk. Dessen Schneiderei führte er bis 1970 weiter. Danach arbeitete er 23 Jahre bei der Firma TAVO.
Außerdem bewirtschaftete Liegl mit seiner Frau Theresia, die er 1965 geheiratet hatte, eine Landwirtschaft. Aus der Ehe gingen ein Sohn und zwei Töchter hervor. 1990 übergaben die Eheleute das landwirtschaftliche Anwesen an Sohn Alfred und errichteten sich in der Silberseestraße ein „Ausnahmshaus“, wo auch Tochter Maria mit ihrer Familie wohnt. Einen schweren Schicksalsschlag musste Liegl hinnehmen, als 2004 seine Ehefrau starb, die er zuvor 14 Jahre lang gepflegt hatte.
Auch ehrenamtlich war Liegl aktiv. Er war 43 Jahre lang Mitglied im Treffelsteiner Kirchenchor. 24 Jahre bekleidete er ehrenamtlich den Posten des Kassenverwalters der Gemeinde Treffelstein. Mit 18 Jahren trat er in die FFW Treffelstein, dort war er 24 Jahre lang Schriftführer. In seiner Jugend spielte Liegl auch im Theaterverein mit, außerdem ist er seit 70 Jahren Mitglied der MMC.
Jetzt im Alter ist Liegls Hauptbeschäftigung das Spazierengehen. Sein Tag beginnt um 5 Uhr morgens. „Ich steh’ mit den Hühnern auf und geh’ mit ihnen ins Bett“, sagt er. „Außer es kommt was G’scheits im Fernsehen.“ Der Komödienstadl zum Beispiel. Dann macht Liegl eine Ausnahme.
Bürgermeister angelernt
Nach dem Frühstück bricht er um 7 Uhr zu seinem täglichen Spaziergang auf. Neuerdings in Begleitung von Michl. Michl ist ein weißer Ziegenbock aus der Nachbarschaft und „der geht mit wie a Hundl“, sagt Liegl. Der 90-Jährige hat seinen treuen Begleiter ins Herz geschlossen, auch wenn der nicht ganz unschuldig daran war, dass Liegl kürzlich gestürzt ist und sich den Arm gebrochen hat. „Er hat’s ja nicht mit Absicht gemacht.“
Ziel seines Spaziergangs ist fast immer der Silbersee, wo Liegl Ausschau nach dem Biber hält. „Gesehen hab’ ich ihn erst einmal. Aber momentan is’ er wieder mords fleißig“, erzählt er. Viele Jahre hat der rüstige Rentner selbst Hand angelegt und die Biberdämme – natürlich mit Erlaubnis – aus dem Triebwerkskanal entfernt. Seit seinem Sturz überlässt er das dem Bürgermeister. „Der ist noch jünger“, sagt Liegl und grinst. War der Biber wieder allzu fleißig, rückt Heumann mit Gummistiefeln und Handschuhen an, um die Äste und Blätter aus dem Triebwerkskanal zu fischen, damit der Rundweg nicht überflutet wird. „In seinen Lebensraum am See greifen wir aber nicht ein“, betont er. „Wo soll der Biber denn leben dürfen, wenn nicht hier?“
Dank für Hilfe
Sein „Biber-Beauftragter“ habe ihm in den vergangenen Jahren viel Arbeit abgenommen, sagt Heumann. Dafür sei er ihm sehr dankbar. Der Bürgermeister hofft, dass er noch lange auf Liegls Hilfe zählen kann. „Wenn’s nach mir geht, dann scho“, meint Liegl. Und darum betet er jeden Tag vor dem Einschlafen: „Herr, dein Wille geschehe.“ Und schickt mit einem Augenzwinkern hinterher: „Aber pressier’n tut’s nicht.“
 

 

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